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Einordnung

KI und Stromverbrauch: Anfrage, Arbeitsablauf und Infrastruktur getrennt bewerten

Wie Führungskräfte Stromangaben zu KI einordnen und aus einzelnen Anfragen eine nachvollziehbare Betrachtung des vollständigen Arbeitsablaufs machen.

Von Dr. Sven JungmannRückblick mit Bezugsdatum: · Veröffentlicht: · Geprüft:
Ein beleuchteter Arbeitsplatz, mehrere gemeinsam genutzte Arbeitsplätze und ein Stromnetz zeigen drei Betrachtungsebenen.

Auf einen Blick

  • Eine Verbrauchsangabe braucht Aufgabe, Umfang und Messbedingungen.
  • Aufwand je brauchbarem Ergebnis und Gesamtverbrauch gehören nebeneinander.
  • Örtliche Infrastrukturfragen und Klimawirkung verlangen jeweils eigene Angaben.

Wie viel Strom verbraucht eine KI-Anfrage? Die Frage klingt konkret. Für eine Unternehmensentscheidung reicht die Antwort allein jedoch selten aus. Ein kurzer Text, eine lange Bildauswertung und ein automatisch wiederholter Arbeitsgang können hinter derselben Bezeichnung stehen. Zudem entscheidet die Zahl der Anfragen darüber, welchen Verbrauch eine einzelne Anwendung insgesamt verursacht.

Wenn Kliniken oder Unternehmen ihre KI-Nutzung erklären wollen, sollten sie deshalb zuerst die Betrachtungsebene festlegen. Geht es um eine einzelne Berechnung, um einen vollständigen Arbeitsablauf oder um die Infrastruktur, die viele Anwendungen gemeinsam trägt? Diese Ebenen hängen zusammen. Sie verlangen jeweils andere Daten und erlauben unterschiedliche Schlussfolgerungen. Wer sie offenlegt, macht eine Diskussion über Nutzen und Ressourcen wesentlich verständlicher.

Das Gespräch von Hannah Ritchie mit Scott Galloway vom 20. August 2026 gab den Anstoß zu dieser Reflexion. Ritchie spricht dort über die Bedeutung der örtlichen Stromversorgung für die KI-Entwicklung. Ich leite daraus eine eigene Frage für Führungskräfte ab: Wie lässt sich die Energiediskussion so ordnen, dass daraus eine nachvollziehbare Entscheidung über eine konkrete Anwendung entsteht? [1]

Zuerst die Einheit klären

Luccioni und Kolleg:innen verglichen 2024 den Betrieb von 88 Modellen auf zehn Aufgaben und 30 Datensätzen. Ihre A100-Versuche ohne gebündelte Anfragen zeigen aufgaben- und modellabhängigen Verbrauch. Sie liefern keine universelle Stromzahl für heutige Dienste. [2]

Daraus leite ich eine erste Anforderung an jede Verbrauchsangabe ab: Die Beschreibung muss mitgeliefert werden. Welche Aufgabe wurde erledigt? Wie umfangreich waren Eingabe und Ausgabe? Wurde gemessen oder geschätzt? Welche Bestandteile der Verarbeitung umfasst die Zahl? Eine scheinbar präzise Zahl ohne diese Angaben ist schwerer zu bewerten als ein begründeter Bereich mit klaren Grenzen.

Das gilt auch für Vergleiche mit vertrauten Alltagstätigkeiten. Sie können eine Größenordnung anschaulich machen. Für eine Entscheidung sollten jedoch beide Seiten des Vergleichs dieselbe Frage beantworten. Eine kurze einzelne Antwort mit einer umfassenden Recherche gleichzusetzen, verändert den Vergleich. Ebenso kann die reine Berechnung einen engeren Umfang haben als die gesamte Dienstleistung. Die Auswahl der Vergleichseinheit verdient daher ebenso viel Aufmerksamkeit wie die Zahl selbst.

Einen vollständigen Arbeitsgang zählen

Nehmen wir ein frei erfundenes Beispiel: Ein Verwaltungsbereich in einem Klinikverbund führt eine Suche in freigegebenen internen Dokumenten ein. Beschäftigte stellen Fragen zu Beschaffungsabläufen. Das System sucht passende Abschnitte, erzeugt eine Antwort und versucht es bei einer technischen Störung erneut. Im Hintergrund werden neu eingegangene Dokumente verarbeitet. Allein die sichtbaren Fragen bilden diesen Arbeitsgang unvollständig ab.

Für die Planung würde ich deshalb zunächst eine einfache Mengenbeschreibung erstellen. Sie erfasst die erwartete Nutzung, Wiederholungen, Hintergrundverarbeitung und die Aufbewahrung der dafür benötigten Daten. Die technische Umsetzung bestimmt, welche dieser Bestandteile tatsächlich anfallen. Ziel ist eine ausreichend vollständige Beschreibung, anhand derer der Anbieter seine Angaben einordnen kann. Fehlende Werte bleiben als Lücken sichtbar, bis sie geklärt werden können.

Anschließend würde ich zwei Betrachtungen nebeneinanderstellen: den Ressourcenbedarf je brauchbarem Ergebnis und den gesamten Bedarf der Anwendung im gewählten Zeitraum. Beides kann sich unterschiedlich entwickeln. Ein effizienterer Ablauf kann deutlich häufiger genutzt werden. Dann sinkt der Aufwand pro Ergebnis, während der Gesamtverbrauch steigt. Ob diese zusätzliche Nutzung einen entsprechenden Wert schafft, ist eine eigene Entscheidung über den Zweck der Anwendung.

Dabei bedeutet „brauchbar“ im Beispiel, dass die Beschäftigten ihre berechtigte Frage zuverlässig klären können. Eine kürzere Antwort, die häufiger eine erneute Suche verlangt, kann den gesamten Arbeitsgang verlängern. Die Qualitätsanforderung sollte deshalb vor dem Effizienzvergleich feststehen. Für medizinische Anwendungen müssten zusätzlich die jeweiligen fachlichen Anforderungen geklärt werden; das Verwaltungsbeispiel lässt sich darauf nicht ungeprüft übertragen.

Die Infrastruktur gesondert betrachten

Die Internationale Energieagentur beziffert im Bericht vom 16. April 2026 den weltweiten Rechenzentrumsverbrauch 2025 auf 485 Terawattstunden. Ihre zentrale Projektion erreicht 950 Terawattstunden für 2030. Beide Angaben umfassen alle Rechenzentren. Der Bericht beschreibt zudem örtliche Engpässe bei Stromversorgung und Netzanschlüssen. [3]

Für die Führung einer Organisation folgt daraus eine andere Frage als bei der einzelnen Anwendung: Welche Abhängigkeiten entstehen durch Standort und Versorgung des Dienstes? Eine globale Größenordnung beantwortet diese örtliche Frage nur begrenzt. Umgekehrt lässt sich aus einem Engpass an einem bestimmten Standort keine allgemeine Verbrauchszahl für sämtliche KI-Nutzung ableiten. Beide Informationen sollten ihren jeweiligen Bezug behalten.

Wer über eigene Infrastruktur entscheidet, muss daher andere Unterlagen verlangen als jemand, der eine bestehende Dienstleistung einkauft. Beim eigenen Betrieb sind unter anderem Anschlussleistung, zeitliche Auslastung und verfügbare Versorgung Teil der Planung. Beim eingekauften Dienst geht es zunächst darum, welche belastbaren Angaben zur genutzten Leistung vorliegen und wie der Anbieter Änderungen mitteilt. Die konkrete Entscheidung bleibt an den tatsächlichen Umfang des Vorhabens gebunden.

Strom und Klimawirkung nachvollziehbar verbinden

Eine Energiemenge und eine Angabe zur Klimawirkung haben unterschiedliche Einheiten. Für die Umrechnung wird eine Annahme über die Strombereitstellung benötigt. Für einen eigenen Vergleich würde ich zusätzlich verlangen, dass Herkunft, Bezugszeitraum und Grenzen dieser Annahme nachvollziehbar sind.

Besonders vorsichtig wäre ich bei einer angeblich vermiedenen Belastung. Wenn eine Anwendung eine andere Tätigkeit ersetzen soll, muss beschrieben werden, welche Tätigkeit tatsächlich entfällt. Entsteht eine zusätzliche Leistung, bleibt ihr Nutzen begründbar; die Vergleichsrechnung sieht dann anders aus. Eine nachvollziehbare Darstellung hält diese Annahmen fest, bevor sie eine Einsparung beziffert. So können spätere Beobachtungen mit der ursprünglichen Erwartung verglichen werden.

Auch Unsicherheit lässt sich brauchbar darstellen. Ein Anbieter kann einen Messwert für einen Teil der Verarbeitung und eine Schätzung für weitere Bestandteile liefern. Diese sollten einzeln erkennbar bleiben. Eine gemeinsame Summe kann für die Planung hilfreich sein, sofern ihre Unsicherheit mitgeführt wird. Zusätzliche Nachkommastellen ersetzen keine fehlende Auskunft über den erfassten Umfang.

Eine Entscheidung, die sich später überprüfen lässt

Für eine erste Besprechung würde ich eine Seite mit vier Angaben vorbereiten: Zweck der Anwendung, vollständiger Arbeitsgang, erwartete Nutzung und belegbarer Ressourcenbedarf. Dazu kommt die offene Frage, deren Klärung die Entscheidung am stärksten beeinflussen würde. Vielleicht fehlt eine Angabe des Anbieters. Vielleicht ist noch unklar, wie häufig ein automatisch ausgelöster Vorgang wirklich gebraucht wird.

Als Gründer interessiert mich an dieser Betrachtung die Verbindung von technischer Gestaltung und verantwortlicher Nutzung. Eine klare Mengenbeschreibung kann zeigen, wo unnötige Arbeit entsteht und wo zusätzlicher Verbrauch einen nachvollziehbaren Zweck erfüllt. Damit lässt sich die Energiediskussion näher an die Entscheidungen bringen, die eine Organisation tatsächlich treffen und später überprüfen kann.

Quellen und weiterführende Lektüre

  1. Hannah Ritchie im Gespräch mit Scott Galloway über EnergieThe Prof G Pod / Vox Media Podcast Network

    Ausgangspunkt für die eigene Betrachtung betrieblicher Entscheidungen.

  2. Luccioni und Kolleg:innen: Energieverbrauch beim Betrieb von KIACM FAccT

    Vergleich damaliger Aufgaben und Modelle unter festgelegten Versuchsbedingungen.

  3. Internationale Energieagentur: Energie und KI im April 2026IEA

    Weltweiter Rechenzentrumsverbrauch, Projektionen und örtliche Infrastrukturengpässe.

Ausgangspunkt dieser Einordnung

Hannah Ritchie im Gespräch mit Scott Galloway über Energie

Perspektive und Interessen

Dieser Beitrag wurde mit KI-Unterstützung erarbeitet. Die beschriebenen Organisationsbeispiele sind frei erfunden. Die praktischen Vorschläge sind eigene Ableitungen aus den eingegrenzten Quellen.

Ich bin Gründer und Geschäftsführer von aiomics und habe ein wirtschaftliches Interesse an der verantwortlichen Einführung von KI in der Medizin.

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