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Einordnung

Was bleibt, wenn die KI-Funktion kopiert wird?

Wenn KI-Funktionen nachgebildet werden, zählen weitere Fähigkeiten des Unternehmens. Entscheidend ist, welchen belegbaren Nutzen die nächste Einführung aus der bisherigen Arbeit übernimmt.

Von Dr. Sven JungmannVeröffentlicht: · Geprüft:
Zwei gleiche Messingblöcke liegen vor einer hölzernen Druckpresse mit einem Stapel unbedruckter Blätter.

Auf einen Blick

  • Eine ähnliche Funktion zeigt noch nicht, welche Fähigkeiten eines Unternehmens tatsächlich kopiert wurden.
  • Wiederverwendbare Bausteine und Nachweise müssen einen erkennbaren Kundennutzen schaffen.
  • Spätere Einführungen sollten auch Kundenaufwand, gescheiterte Versuche und kundenspezifische Arbeit sichtbar machen.

Ein fiktives Medizintechnikunternehmen entwickelt seit einem Jahr eine KI-Anwendung, die eingehende technische Reklamationen in einen strukturierten Entwurf zur fachlichen Prüfung überführt. Nun führt ein Wettbewerber eine ähnliche Funktion vor. Die Ähnlichkeit fällt der Gründerin sofort auf. Schwieriger ist zu beurteilen, wie viel des Geschäfts tatsächlich nachgebaut wurde: die Oberfläche, das Ergebnis, der Zugang zu Kund:innen oder die Fähigkeit, die Arbeit auch nach der Einführung dauerhaft zu unterstützen.

Evan Spiegels Gespräch in Lenny’s Podcast hat mich zu dieser Unterscheidung angeregt. Er beschreibt leicht kopierbare Programmfunktionen und Snaps Investitionen in Beziehungen zwischen Nutzer:innen, Kreativen und Entwickler:innen. Sein Bericht betrifft eine Verbraucherplattform. Daraus folgt kein allgemeines Gesetz über medizinische KI oder das Ende technischer Wettbewerbsvorteile. [1]

Für Gründer:innen und Investor:innen im Gesundheitswesen würde ich untersuchen, was sich im Unternehmen aufbaut, während es nützliche Arbeit leistet. Eine Funktion kann technisch schwer nachzubilden bleiben. Sie kann auch leichter kopierbar werden, während die Fähigkeiten rund um ihren Einsatz wachsen. Welcher Fall vorliegt, lässt sich aus einer ähnlichen Vorführung allein kaum ableiten.

Was müsste ein Wettbewerber tatsächlich nachbauen?

David Teeces Strategieaufsatz von 1986 unterscheidet eine Erfindung von ergänzenden Fähigkeiten zu ihrer Vermarktung, darunter Vertrieb und Betreuung. In seinem theoretischen Argument beeinflussen der Schutz der Erfindung und der Zugang zu diesen Fähigkeiten, wer wirtschaftlich profitiert. Der Aufsatz liefert keine empirische Schätzung für heutige KI-Unternehmen. [2]

Für die fiktive Reklamationsanwendung ergibt sich daraus ein praktischer Ausgangspunkt: einen vollständig erledigten Vorgang beschreiben. Welche Informationen kommen an, wer beurteilt den Entwurf, was geschieht bei Unklarheiten, und wohin geht das freigegebene Ergebnis? Anschließend lässt sich zuordnen, welche Teile das Unternehmen, seine Kund:innen und seine Partner übernehmen. Ein Anbieter kann an einer Stelle entscheidend und an einer anderen gut ersetzbar sein.

Diese Betrachtung schützt auch vor schmeichelhaften Selbstbeschreibungen. Eine komplizierte Einführung verursacht Aufwand. Für eine wertvolle Fähigkeit spricht sie erst dann, wenn das Unternehmen erklären kann, was es inzwischen besser beherrscht und wie Kund:innen davon profitieren. Schwierigkeit allein begründet keine dauerhaft hohe Nachfrage.

Was kann die nächste Einführung übernehmen?

Im Beispiel erfordert die erste Kundenorganisation möglicherweise viel Arbeit an Dokumentformaten, Zuständigkeiten und Ausnahmefällen. Ein Teil dieses Aufwands bleibt an diese Organisation gebunden. Anderes könnte zu einer geprüften Einlesekomponente, einer klareren Beschreibung geeigneter Fälle oder einem wiederverwendbaren Verfahren werden, das Prüfenden die genaue Quelle eines Entwurfs zeigt.

Eine 2026 veröffentlichte norwegische Untersuchung von Severinsen und Kolleg:innen begleitete die Einführung einer Frakturerkennung mit Interviews, Beobachtungen und Dokumenten. Die Teams verwendeten und verbesserten Einführungsunterlagen über mehrere Standorte hinweg. Die qualitative Studie betrifft die frühe Einführung in einem Klinikverbund; sie belegt weder einen dauerhaften Anbietervorteil noch langfristige Wirksamkeit. [3]

Für mich liegt darin die Unterscheidung zwischen angesammelter Tätigkeit und aufgebauter Fähigkeit. Wenn ein Ausnahmefall zu einer ausdrücklich beschriebenen Einsatzgrenze führt, kann das spätere Entscheidungen verbessern. Eine undokumentierte Behelfslösung, die nur die Gründerin versteht, kann die nächste Einführung genauso von ihr abhängig machen. Beides erfordert Arbeit; die Folgen für das Unternehmen unterscheiden sich.

Eine nützliche Aufzeichnung verbindet deshalb das aufgetretene Problem, die vorgenommene Änderung und die Bedingungen ihrer Wiederverwendung. Sie benennt auch, was kundenspezifisch bleibt. Aus einer Einführung zu lernen erlaubt nicht automatisch die Weiterverwendung der zugrunde liegenden Informationen. Patient:innendaten, vertrauliche Reklamationen und unveröffentlichte Forschung brauchen eigene vereinbarte Grenzen. Ein sorgfältig konstruiertes künstliches Beispiel kann ein wiederkehrendes Problem abbilden, ohne Originalmaterial einer Kundenorganisation zu übertragen.

Kundenzugang muss eine sinnvolle Entscheidung ermöglichen

In diesem Umfeld würde ich Zugang danach beurteilen, welche Entscheidung er ermöglicht. Ein Gespräch mit Ärzt:innen, eine Fachtagung oder ein Vertriebspartner kann ein tatsächliches Problem und die dafür Verantwortlichen sichtbar machen. Das Unternehmen muss weiterhin klären, wie wichtig dieses Problem ist, ob seine Anwendung dazu passt und ob eine finanzierte Einführung möglich wird.

Für ärztliche Gründer:innen gehören öffentliche Erklärung und Produktarbeit damit eng zusammen. Ein gehaltvoller Vortrag kann Einwände sichtbar machen, die bei einer Vorführung verborgen bleiben. Sein wirtschaftlicher Wert hängt davon ab, was folgt: ein relevantes Gespräch, ein genauer beschriebener Anwendungsfall oder die begründete Absage an eine ungeeignete Gelegenheit. Die Zahl der Zuhörenden allein belegt diesen Wert nicht.

Dasselbe gilt für Partnerschaften. Ein Partner kann einen etablierten Zugang zu Kliniken eröffnen und zugleich die Kundenbeziehung sowie die Auswahl konkurrierender Anwendungen kontrollieren. Das kann eine sinnvolle Vereinbarung sein. Gründer:innen sollten benennen können, welchen Beitrag ihr Unternehmen weiterhin leistet, wenn der Partner eine Alternative aufnimmt. Eine Sammlung von Partnerlogos erklärt diese Abhängigkeit nicht.

In Erfahrung können ungelöste Fehler stecken

Die 2026 veröffentlichte Studie von Naicker und Kolleg:innen untersuchte die Einführung radiologischer KI anhand von 43 Interviews in einem australischen Krankenhaus. Die Befragten beschrieben anhaltende Integrations- und Kommunikationsprobleme. In diesen qualitativen Bericht fließen auch personelle und organisatorische Veränderungen ein; er kann weder ursächliche Effekte isolieren noch ein wirtschaftliches Ergebnis nachweisen. [4]

Für das fiktive Unternehmen ist das ein Anlass, nach dem Ergebnis seines Lernens zu fragen. Mehr Installationen könnten einen größeren Bestand ungelöster Betreuungsfälle erzeugen. Ein bekannter Name könnte mit umständlichen Abläufen einhergehen. Eine bestehende Beziehung könnte fortbestehen, weil ein Wechsel schwierig wäre. All das kann laufende Erlöse eine Zeit lang stützen, ohne zu belegen, dass die nächste Kundenorganisation ein besseres Produkt erhält.

Ich würde die Erklärung des Unternehmens deshalb an einer bewusst unbequemen Annahme prüfen: Ein fähiger Wettbewerber kann nun eine vergleichbare Kernfunktion anbieten. Welcher Kundennutzen bleibt, worauf stützt sich diese Behauptung, und woran wäre ein schwindender Vorteil erkennbar? Die Antwort sollte etwas genauer Prüfbares benennen als Erfahrung, Vertrauen oder ein Netzwerk.

Wiederverwendung prüfen und ihren Aufwand sichtbar lassen

Für die nächsten vergleichbaren Gelegenheiten lässt sich festhalten, was das Team übernehmen will und was neu entstehen muss. Aufgabe, Qualitätsanforderungen und Einsatzgrenzen bleiben dabei sichtbar. Während der Arbeit werden Kunden- und Anbieteraufwand erfasst, einschließlich der Zeit der Gründerin, gescheiterter Versuche und nach erheblicher Vorbereitung aufgegebener Vorhaben. Sonst kann eine reibungslose letzte Installation verbergen, wie viel Arbeit ihr vorausging.

Weniger Stunden bei einer späteren Einführung wären eine untersuchenswerte Beobachtung. Vielleicht hat die Kundenorganisation aber lediglich besser geordnete Informationen oder engere Anforderungen. Erst wenn klar ist, welcher Baustein oder welches Vorgehen tatsächlich übertragen wurde, lässt sich organisatorisches Lernen als Erklärung erwägen. Dieser vorgeschlagene Vergleich unterstützt die unternehmerische Beurteilung; er ist kein geprüftes Verfahren zur Vorhersage von Wachstum oder Rentabilität.

Ebenso wichtig ist, ob die aufgebaute Fähigkeit noch ein bestehendes Kundenproblem beantwortet. Ein Fortschritt bei einem allgemein verfügbaren Modell könnte einen bisher schwierigen Arbeitsschritt entfallen lassen. Ein veränderter Ablauf könnte den Bedarf an der Anwendung ganz beseitigen. Ein Unternehmen kann technisch beeindruckendes Wissen besitzen, dessen wirtschaftliche Bedeutung abgenommen hat. Dauerhaft zu bestehen verlangt auch, weitere Investitionen neu zu beurteilen.

Für mich ist deshalb entscheidend, was die heutige Arbeit morgen verfügbar macht: ein Produkt, das eine relevante Klasse von Fällen besser bearbeitet, Nachweise für die Beurteilung durch die nächsten verantwortlichen Käufer:innen oder ein Team, das seine Entdeckungen nicht jedes Mal wiederholen muss. Diese Annahmen verdienen Belege. Sie bieten eine konkretere Grundlage für den nächsten Einsatz von Zeit und Kapital als die Zahl kopierter Funktionen.

Quellen und weiterführende Lektüre

  1. Spiegel: langlebige ProdukteLenny’s Podcast

    Unternehmerische Ausgangsfrage.

  2. Teece: Innovation und Erträge, 1986Research Policy

    Theorie ergänzender Fähigkeiten.

  3. Severinsen: Einführung einer FrakturerkennungJMIR Formative Research

    Wiederverwendung von Einführungsunterlagen.

  4. Naicker: KI-Einführung in der RadiologieJournal of Medical Internet Research

    Qualitative Integrationsprobleme.

Ausgangspunkt dieser Einordnung

Spiegel: langlebige Produkte

Perspektive und Interessen

Dieser Artikel wurde mit KI-Unterstützung erarbeitet. Das Unternehmensbeispiel ist fiktiv. Der vorgeschlagene Vergleich ist eine eigene Ableitung; seine Vorhersagekraft wurde nicht geprüft.

Ich bin Gründer und Geschäftsführer von aiomics und habe ein wirtschaftliches Interesse an der verantwortungsvollen Einführung von KI in der Medizin. Der Artikel enthält keine Behandlungsempfehlung oder Anlageberatung.

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