Auf einen Blick
- Beschreiben Sie geeignete Aufgaben durch Eingaben, Ergebnis und erlaubte Handlungsschritte.
- Prüfen Sie benachbarte Fälle mit Lücken und Widersprüchen.
- Ein sinnvolles Ergebnis kann eine gezielte Rückfrage oder ein begründeter Abbruch sein.
Eine KI erstellt einen überzeugenden ersten Entwurf. Kurz danach scheitert sie an einer Aufgabe, die für die anwesenden Fachleute einfacher wirkt. Diese Erfahrung wirft eine praktische Frage auf: Wie lässt sich der Einsatzbereich einer Anwendung beschreiben, wenn ihre Stärken und Schwächen nicht unserer gewohnten Vorstellung von Schwierigkeit folgen?
Eine brauchbare Antwort beginnt bei den Bedingungen einer Aufgabe. Welche Informationen stehen bereit? Wie eindeutig ist das gewünschte Ergebnis? Welche Fehler können erkannt werden? Wer kann eingreifen? Für eine Organisation ist diese Beschreibung eine Grundlage, um Unterstützung, Prüfung und Verantwortung passend zu verteilen.
Was die Untersuchung mit Berater:innen zeigt
Dell’Acqua und Kolleg:innen untersuchten den Einsatz von GPT-4 bei 758 Berater:innen von BCG. Unterschiedliche Aufgaben führten zu unterschiedlichen Ergebnissen: Innerhalb der Fähigkeiten des getesteten Systems konnte die Unterstützung helfen; bei einer Aufgabe außerhalb dieser Fähigkeiten konnte sie die Leistung verschlechtern. Die Arbeit bezeichnet diese ungleichmäßige Grenze bildlich als zerklüftete technische Grenze.
Die endgültige Veröffentlichung erschien 2026. Die Untersuchung fand 2023 mit dem damals verfügbaren System statt. Die Aufgaben erlauben keine allgemeine Rangliste heutiger Anwendungen und keine unmittelbare Prognose über ganze Berufsgruppen. Der übertragbare Gedanke ist die notwendige Prüfung auf Aufgabenebene. Die vollständige Forschungsarbeit ist öffentlich zugänglich.
Eine Tätigkeit in überprüfbare Fälle zerlegen
Die Bezeichnung einer Tätigkeit ist häufig zu weit. Angebote vorbereiten kann bedeuten, bekannte Angaben in eine Vorlage einzutragen, eine unvollständige Anfrage zu ergänzen oder eine bisher unbekannte technische Kombination zu beurteilen. Diese Fälle stellen unterschiedliche Anforderungen.
Beschreiben Sie deshalb zunächst eine gewöhnliche Aufgabe mit ihren Eingaben und dem erwarteten Ergebnis. Ergänzen Sie anschließend Bedingungen, unter denen sich der Fall verändert: eine fehlende Zahl, eine widersprüchliche Angabe, eine ungewöhnliche Ausnahme oder eine neue Vorgabe. Verwenden Sie dafür geeignete, freigegebene Unterlagen oder fiktive Fälle.
Ein eigener Vorschlag ist, für jede Variante den erlaubten Handlungsspielraum zu benennen. Darf die Anwendung einen Text vorbereiten, eine Rückfrage formulieren oder eine Entscheidung empfehlen? Wer prüft den Vorschlag? Wann soll die Bearbeitung unterbrochen werden? Das macht die Grenze verständlicher als die allgemeine Aussage, die KI sei für den Vertrieb freigegeben.
Einen Grenzfall vollständig durchdenken
Ein fiktiver Hersteller möchte KI zur Vorbereitung von Wartungsangeboten einsetzen. Bei einem bekannten Gerät und vollständigen Angaben kann eine vorhandene Leistungsbeschreibung zugeordnet werden. Bei einem abweichenden Baujahr fehlt jedoch eine Information zur Ausstattung. Ein flüssiger Angebotstext würde diese Lücke möglicherweise verdecken.
Für diesen Fall wird ein passendes Ergebnis deshalb anders definiert: Die Anwendung soll die fehlende Angabe benennen und eine Rückfrage vorbereiten. Ein vollständig ausgefülltes Angebot gilt hier als Fehler, wenn es auf einer unbelegten Annahme beruht. Der Fall prüft also auch, ob das System mit Unvollständigkeit umgehen kann.
Eine weitere Variante enthält zwei widersprüchliche Baujahre. Jetzt reicht das Nachfragen nach irgendeinem Baujahr nicht aus; der Widerspruch muss erkennbar werden. Solche benachbarten Fälle helfen zu verstehen, ob ein Erfolg von günstigen Eingaben abhängt. Die Auswahl bildet dennoch nur einen Ausschnitt der späteren Arbeit ab.
Den Maßstab vor dem Ergebnis festlegen
Vereinbaren Sie zuerst, was als verwendbares Ergebnis zählt. Eine fachkundige Person sollte das beurteilen können, ohne zu wissen, ob eine Fassung mit KI entstanden ist, soweit das im gewählten Ablauf praktikabel ist. Halten Sie Fehlerarten getrennt fest: falsche Angaben, fehlende wichtige Angaben, unzulässige Ergänzungen und unnötige Rückfragen.
Eine einzige Gesamtnote verdeckt leicht, welcher Fehler für die spätere Nutzung entscheidend ist. Ein sprachlich hervorragender Entwurf mit einer erfundenen technischen Zusage kann unbrauchbar sein. Eine kurze Rückfrage kann dagegen genau das richtige Ergebnis darstellen. Die Bewertung muss sich an der tatsächlichen Verwendung orientieren.
Erfassen Sie zusätzlich den Aufwand bis zur Verwendbarkeit. Dazu gehören Vorbereitung, Prüfung, Korrektur und ein möglicher Abbruch. Erst dieser Zusammenhang erlaubt eine Entscheidung darüber, ob die Anwendung im vorgesehenen Fall eine sinnvolle Unterstützung ist.
Die Grenze als vorläufige Vereinbarung behandeln
Aus einer begrenzten Prüfung entsteht keine dauerhafte Freigabe für sämtliche ähnlichen Fälle. Dokumentieren Sie Anwendung, Stand, Eingaben und Prüfbedingungen. Ändern sich Daten, Anweisungen oder das zugrunde liegende System, sollte geklärt werden, welche Fälle erneut betrachtet werden müssen.
Auch die Menschen im Arbeitsablauf verändern sich. Eine erfahrene Person erkennt womöglich eine Lücke, die eine neue Kollegin übersieht. Wenn die Anwendung für weitere Gruppen zugänglich wird, gehört deren Fähigkeit zur Prüfung zu den offenen Fragen. Ein technischer Erfolg allein beantwortet diese organisatorische Frage noch nicht.
Der Leitfaden zur Auswertung eines KI-Versuchs hilft bei der anschließenden Entscheidung. Im Vortrag über KI und Verantwortung lässt sich an solchen Grenzfällen zeigen, weshalb breitere technische Fähigkeiten zusätzliche Urteilskraft in der Organisation verlangen.
Quellen und weiterführende Lektüre
- Die ungleichmäßigen Leistungsgrenzen von KI bei WissensarbeitOrganization Science
Experiment mit 758 Berater:innen und unterschiedlichen Aufgaben; Untersuchung mit GPT-4 von 2023, endgültige Veröffentlichung 2026. Keine allgemeine Aussage über heutige Systeme oder ganze Berufe.
Perspektive und Interessen
Ich bin Gründer und Geschäftsführer von aiomics und biete Vorträge über künstliche Intelligenz an. Damit habe ich ein wirtschaftliches Interesse an diesem Themengebiet.
Dieser Beitrag wurde mit KI-Unterstützung erarbeitet und durch unabhängige KI-Prüfungen auf Quellen und Aussagen geprüft. Diese Prüfung ist keine persönliche Freigabe durch den Autor.
Die beschriebenen Arbeitsvorschläge sind eigene Überlegungen. Als fiktiv bezeichnete Fälle sind keine Kundenberichte und keine gemessenen Ergebnisse.



