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Leitfaden

Eine KI-Initiative beenden und das Gelernte erhalten

Wie Führungskräfte Fortsetzung, Aussetzung, Neuausrichtung und Beendigung vergleichen können. Mit klaren nächsten Verpflichtungen und einem geordneten Abschluss.

Von Dr. Sven JungmannRückblick mit Bezugsdatum: · Veröffentlicht: · Geprüft:
Ineinandergreifende Karteikarten bilden eine tragende Brücke.

Auf einen Blick

  • Bewerten Sie die zusätzlichen Verpflichtungen und erreichbaren Ergebnisse ab heute.
  • Eine weitere Lernrunde braucht eine Beobachtung, die die anschließende Entscheidung ändern könnte.
  • Ein geordnetes Ende hält Erkenntnisse, weiterverwendbare Bestandteile und die Übergabe fest.

Eine KI-Initiative kann einen schwierigen Moment erreichen: Die Beteiligten haben viel gelernt, das vorgesehene Ergebnis bleibt aus, und für die nächste Entwicklungsphase wird erneut Zeit verlangt. In dieser Situation interessiert mich die Frage, welche Entscheidung heute begründet werden kann. Die bisherige Arbeit verdient eine ehrliche Auswertung. Zugleich braucht jede weitere Verpflichtung einen nachvollziehbaren Zweck.

Dieser Leitfaden behandelt die Entscheidung, eine betriebliche Initiative fortzuführen, auszusetzen, neu auszurichten oder zu beenden. Das Beispiel ist frei erfunden: Ein Pharmaunternehmen entwickelt eine KI-Hilfe, die Unterlagen für eine interne monatliche Führungssitzung vorbereitet. Es geht um organisatorische Vorbereitung mit freigegebenen Inhalten. Eine Einstellung patientenrelevanter Systeme würde zusätzliche fachliche und rechtliche Verfahren erfordern, die dieser Text nicht beschreibt.

Was vergangener Aufwand mit Entscheidungen machen kann

Arkes und Blumer untersuchten in ihrer 1985 veröffentlichten Arbeit Entscheidungen unter bereits angefallenen Kosten. Ein Feldversuch wertete 54 Käufer:innen unterschiedlich rabattierter Theaterabonnements der Spielzeit 1982/83 aus. Käufer:innen zum Normalpreis nutzten in der ersten Saisonhälfte mehr Karten; später zeigte sich kein signifikanter Gruppenunterschied. Ergänzende Befragungen betrafen Studierende. Diese historischen Befunde messen weder das Verhalten heutiger Führungskräfte noch die Wirtschaftlichkeit von KI-Projekten. [1]

Für mich liefern sie einen Anlass, die Begründung einer Fortsetzung genauer anzusehen. Der Satz „Wir haben bereits so viel investiert“ beschreibt die Vorgeschichte. Offen bleibt, was die nächste Investition bewirken soll. Eine Entscheidungsvorlage sollte beides erkennbar auseinanderhalten, damit Anerkennung der geleisteten Arbeit und Bewertung der nächsten Verpflichtung jeweils ihren Platz bekommen.

Auch ein geordnetes Ende gehört zur Verantwortung für KI. Das freiwillige NIST-Rahmenwerk von Januar 2023 sieht Zuständigkeiten und Mechanismen vor, um Systeme zu ersetzen, abzukoppeln oder zu deaktivieren, wenn ihr Verhalten der beabsichtigten Verwendung widerspricht. Das ist ein Bezugspunkt für geordnete Beendigung, kein empirischer Beleg für die folgende wirtschaftliche Entscheidungsstruktur und keine deutsche Rechtsvorschrift. [2]

Die nächste Entscheidung konkret benennen

Im erfundenen Unternehmen erzeugt die Anwendung brauchbare Zusammenfassungen. Die monatliche Sitzung wird trotzdem spät vorbereitet, weil die einzelnen Bereiche ihre Entscheidungen und offenen Fragen erst kurz vorher liefern. Die bisherige Entwicklung hat damit etwas Reales gezeigt: Das Zusammenfassen lässt sich erleichtern. Ob diese Hilfe das ursprüngliche Problem der verspäteten Vorbereitung löst, ist weiterhin offen.

Die nächste Entscheidung sollte einen klaren Umfang erhalten. Beispielsweise geht es um weitere vier Wochen eines internen Entwicklungsteams und die Einrichtung einer zusätzlichen Schnittstelle. Dieser Umfang ist eine Annahme für das Beispiel. Benannt werden außerdem die Person, die entscheiden darf, der späteste Entscheidungszeitpunkt und die Folge einer Vertagung. So wird sichtbar, welche Verpflichtung tatsächlich zur Wahl steht.

Die Kosten nach ihrer Bedeutung für heute ordnen

Bereits bezahlte Entwicklungsarbeit, die weder zurückgewonnen noch anderweitig verwertet werden kann, bleibt vergangener Aufwand. Die verbliebenen Kenntnisse, wiederverwendbaren Bausteine und vereinbarten Rechte können dagegen für heutige Möglichkeiten relevant sein. Auch künftige Vertragszahlungen, Kündigungsfolgen, Übergabearbeit und laufende Betreuung gehören in den Vergleich, soweit sie zwischen den Optionen unterschiedlich ausfallen. Welche Verpflichtungen tatsächlich bestehen, muss anhand der konkreten Vereinbarungen geklärt werden.

Ich würde für jede Möglichkeit deshalb dieselben Fragen beantworten: Welche zusätzlichen Ressourcen werden ab jetzt gebunden? Welches nutzbare Ergebnis ist damit plausibel erreichbar? Welche Verpflichtungen bleiben bei einer Beendigung bestehen? Welche andere Aufgabe müsste warten? Diese Fragen erfordern Schätzungen. Deren Unsicherheit sollte sichtbar bleiben, besonders wenn scheinbar genaue Eurobeträge hauptsächlich auf noch ungeprüften Annahmen beruhen.

Den Wert einer weiteren Lernrunde beschreiben

Eine weitere Erprobung kann sinnvoll sein, wenn sie eine entscheidende Unsicherheit mit vertretbarem Aufwand klärt. Im Beispiel könnte die Frage lauten: Würde die Sitzung rechtzeitig vorbereitet, wenn die Bereiche ihre offenen Entscheidungen früher in einer einheitlichen Form einreichen? Eine kurze, erlaubte Erprobung dieses Ablaufs könnte zeigen, ob die bislang vermutete technische Ursache tatsächlich entscheidend ist.

Vor einer Verlängerung sollten die Beteiligten sagen können, welche Beobachtung ihre Entscheidung ändern würde. Wenn jede denkbare Beobachtung zur nächsten Entwicklungsphase führt, fehlt der Lernrunde eine wirksame Entscheidungsfunktion. Das ist meine organisatorische Prüfregel. Sie setzt weder eine bestimmte Erfolgswahrscheinlichkeit noch einen allgemeingültigen finanziellen Schwellenwert voraus.

Außerdem braucht eine Lernrunde ein Ende. Die Vorlage benennt die offene Frage, die zulässige Erprobung, die dafür nötigen Ressourcen und die anschließende Entscheidung. Im Beispiel könnten zwei Sitzungsvorbereitungen ausreichen, um den Einreichungsablauf zunächst zu untersuchen. Diese Zahl ist eine frei gewählte Arbeitshypothese. Eine belastbare Wirkungsaussage für andere Abteilungen oder Zeiträume entsteht daraus nicht.

Vier Möglichkeiten mit demselben Maßstab vergleichen

Fortführen bedeutet, dass die bisherige Richtung für die nächste begrenzte Verpflichtung ausreichend begründet ist. Die Vorlage nennt das erwartete Ergebnis und die verbleibenden Annahmen. Eine offene Schwierigkeit kann vertretbar sein, wenn ihr Klärungsweg erkennbar ist und die möglichen Folgen berücksichtigt werden. Fortsetzung sollte deshalb auch einen nächsten Entscheidungspunkt enthalten.

Aussetzen bedeutet, dass eine konkrete Voraussetzung fehlt. Beispielsweise könnte eine organisatorische Entscheidung über die Einreichungsfristen ausstehen. Eine Aussetzung braucht einen überprüfbaren Anlass für die Wiederaufnahme sowie eine Person, die ihn beobachtet. Ohne diese Angaben kann die Initiative weiter Ressourcen für Besprechungen und Pflege beanspruchen, obwohl niemand an ihrer zentralen Unsicherheit arbeitet.

Neuausrichten bedeutet, dass sich Zweck oder Umfang begründet ändern. Im Beispiel könnte die Zusammenfassungshilfe als begrenzte Unterstützung eines einzelnen Bereichs weitergeführt werden. Ihr ursprüngliches Versprechen, die gesamte Führungssitzung früher vorzubereiten, würde dann ausdrücklich beendet. Die neue Verwendung erhält eine eigene Bewertung und Zuständigkeit. Ein kleinerer Zweck sollte keine stillschweigende Fortschreibung alter Nutzenannahmen mit sich bringen.

Beenden bedeutet, weitere Entwicklung für den bisherigen Zweck einzustellen und den Übergang zu organisieren. Die bisherige Aufgabe braucht weiterhin eine zuständige Person und ein vereinbartes Verfahren. Vorhandene Zugänge, Aufbewahrungsfristen, Verträge und weitergenutzte Bestandteile werden entsprechend den geltenden Zuständigkeiten behandelt. Ein Beschluss allein erledigt diese Übergabearbeit nicht.

Das Gelernte in einer brauchbaren Form erhalten

Ich würde den Abschluss auf wenige Fragen konzentrieren: Welche Annahme wurde geprüft? Was wurde tatsächlich beobachtet? Welche Erklärung bleibt unsicher? Welche Unterlagen oder Bausteine dürfen weiterverwendet werden? Unter welcher veränderten Bedingung wäre eine erneute Beschäftigung sinnvoll? Dafür braucht es weder eine Erfolgsgeschichte noch eine pauschale Schuldzuweisung.

Im Beispiel könnte festgehalten werden, dass freigegebene Unterlagen brauchbar zusammengefasst wurden, die rechtzeitige Bereitstellung aber von früheren Beiträgen der Bereiche abhing. Dieser eng beschriebene Befund kann die nächste Initiative verbessern. Einzelne vertrauliche Sitzungsinhalte müssen dafür nicht allgemein zugänglich werden. Ihre weitere Aufbewahrung richtet sich nach den tatsächlich geltenden Vorgaben.

Ein brauchbarer Abschlussvermerk nennt außerdem die Person, die das verbliebene Material erläutern kann. Ein Ordner ohne Zusammenhang lässt sich schwer verantwortlich weiterverwenden. Eine kurze Beschreibung der geprüften Bedingungen, bekannten Lücken und erlaubten nächsten Verwendung gibt späteren Beteiligten einen Ausgangspunkt. Unter veränderten Umständen können sie die ursprüngliche Frage erneut aufgreifen, ohne den früheren Versuch aussagekräftiger darzustellen, als er war.

Eine gute Beendigungsentscheidung macht für die Beteiligten verständlich, was endet, was weiter gebraucht wird und wer die Übergabe übernimmt. Sie würdigt belastbare Erkenntnisse und benennt offene Fragen. Für mich gehört diese Fähigkeit zur unternehmerischen Arbeit an KI: Zeit und Aufmerksamkeit wieder einer Aufgabe zuordnen zu können, deren nächster Schritt überzeugend begründet ist.

Quellen und weiterführende Lektüre

  1. Arkes und Blumer: Entscheidungen bei bereits angefallenen KostenOrganizational Behavior and Human Decision Processes

    Die Arbeit von 1985 enthält ein Theaterexperiment mit 54 ausgewerteten Käufer:innen und Befragungen von Studierenden. Sie untersucht keine KI-Projekte.

  2. NIST: Verantwortung für Ersatz und Deaktivierung von KI-SystemenNIST

    Das freiwillige Rahmenwerk von Januar 2023 behandelt Zuständigkeiten für die Deaktivierung ungeeigneter Systeme. Es validiert keine wirtschaftliche Entscheidungsmethode.

Perspektive und Interessen

Dieser Beitrag wurde mit KI-Unterstützung erarbeitet. Die beschriebenen Organisationsbeispiele sind frei erfunden. Die praktischen Vorschläge sind eigene Ableitungen aus den eingegrenzten Quellen.

Ich bin Gründer und Geschäftsführer von aiomics und habe ein wirtschaftliches Interesse an der verantwortlichen Einführung von KI in der Medizin.

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