Auf einen Blick
- Empfang, fachliche Übernahme und Klärung eines Anliegens sind unterschiedliche Zustände.
- Eine KI-Antwort braucht einen personell abgesicherten Weg für offene Fragen.
- Die Auswertung sollte auch wiederholte Kontakte, Personalaufwand und andere Zugangswege erfassen.
In einer erfundenen Krankenhausambulanz meldet sich eine Patientin nach ihrem Termin. Sie hat einen weiteren Brief erhalten und weiß nicht, ob dadurch die besprochene Vereinbarung noch gilt. Ein KI-Assistent erklärt den Wortlaut verständlich und empfiehlt, die Ambulanz zu kontaktieren. Das Gespräch wirkt hilfreich. Trotzdem gibt es in der Ambulanz möglicherweise noch keinen zugewiesenen Auftrag, niemanden, der eine Antwort vorbereitet, und keinen Nachweis, dass die Unklarheit beseitigt wurde.
Vor der Einführung eines KI-Begleiters zwischen Terminen würde ich der Krankenhausleitung deshalb eine Frage stellen: Für welche Anliegen von Patient:innen übernimmt die Einrichtung eine Verantwortung, die sie tatsächlich erfüllen kann? Ein fortgesetztes Gespräch eröffnet Möglichkeiten. Sein Wert hängt davon ab, was geschieht, sobald der nächste sinnvolle Schritt eine Person, eine Unterlage oder einen Termin erfordert.
Ein Anstoß aus der öffentlichen Diskussion
In einer am 25. November 2025 veröffentlichten Folge von Stanford Online sprechen Syed Mohiuddin, Matt Lungren und Justin Norden über KI-Unterstützung außerhalb von Sprechstunden. Daraus entstand die Frage dieses Beitrags nach der Arbeit zwischen Terminen. Das Gespräch entwirft eine Zukunftsperspektive; einen Wirksamkeitsnachweis liefert es nicht. Hier ist die vollständige Folge. [1]
Ich würde diese Idee in eine engere Gestaltungsfrage übersetzen. Können Patient:innen erkennen, was die Einrichtung verstanden hat, welches Team die Verantwortung übernommen hat und was als Nächstes geschieht? Das sind unterschiedliche Zustände. Eine Nachricht kann zugestellt sein, ohne dass sie bereits beurteilt wurde. Eine Frage kann zutreffend erklärt sein und weiterhin eine Entscheidung erfordern, die eine Erklärung allein nicht ermöglicht.
Zwei Ansätze mit unterschiedlicher Beleglage
Eine 2024 veröffentlichte Studie der UC San Diego teilte 52 freiwillig teilnehmende hausärztlich tätige Ärzt:innen zufällig sofortigem oder verzögertem Zugang zu Antwortentwürfen zu. Die Lesezeit stieg; die Zeit zum Verfassen änderte sich nicht signifikant. Ob Patient:innenanliegen geklärt wurden, erfasste diese kurze Untersuchung eines Versorgungssystems nicht. [2]
Für die Leitung würde ich die Messfrage über das Verfassen hinaus offenhalten. Der Aufwand für eine Antwort beschreibt einen Teil der Leistung. In meiner vorgeschlagenen Auswertung käme hinzu, ob Patient:innen die zuständige Person erreicht und den nächsten Schritt verstanden haben. Ein Produktvergleich allein anhand der Schreibzeit kann diese zusätzlichen Fragen nicht beantworten.
Der PRO-TECT-Bericht von 2025 verglich bei Patient:innen mit metastasiertem Krebs wöchentliche Symptommeldungen mit Benachrichtigung des Behandlungsteams und übliche Versorgung in 52 zufällig zugeteilten US-Onkologiepraxen. Notaufnahmebesuche gingen zurück; beim Überleben gab es keinen signifikanten Unterschied. Diese kombinierte Krebsversorgung liefert keine unmittelbaren Belege für generative Dialogsysteme oder allgemeine Krankenhausnachrichten. [3]
Meine Folgerung ist, den gesamten Weg vom Anliegen zur angemessenen Reaktion zu beurteilen. Für einen örtlichen Versuch würde ich festhalten, welche Bestandteile tatsächlich verfügbar waren: eine Antwort, eine handlungsfähige Person und ein Rückweg, falls das Anliegen offenbleibt. Damit könnte die Leitung erkennen, an welcher Stelle ein vielversprechendes Gespräch weiterhin eine unerledigte Aufgabe hinterlässt.
Den Leistungsumfang vor der Oberfläche festlegen
Für eine erste Einführung würde ich einen bestehenden ambulanten Versorgungsablauf und bestimmte Fragen auswählen. Eine freigegebene Unterlage zu finden, die Organisation eines Termins zu erläutern und eine individuelle ärztliche Entscheidung einzuholen, erfordert jeweils andere Arbeit. Eine Nachricht kann alle drei Anliegen enthalten. Eine Einordnung als „Verwaltungsanfrage“ sollte deshalb korrigierbar bleiben, wenn der tatsächliche Inhalt einen anderen Bearbeitungsweg verlangt.
Die Erläuterung für Patient:innen sollte den angebotenen Dienst, seine besetzten Zeiten und das Vorgehen außerhalb seines Aufgabenbereichs beschreiben. Diese Angaben müssen zur tatsächlichen Kapazität passen. Wird ein Kanal nicht durchgehend betreut, darf seine Oberfläche keine kontinuierliche klinische Beobachtung nahelegen. Der etablierte Weg der Einrichtung für dringliche Anliegen muss erhalten bleiben; dieser Beitrag schlägt keine klinischen Dringlichkeitsschwellen vor.
Vorhandene Orientierung bietet der US-Leitfaden SAFER zur Kommunikation: Er empfiehlt dokumentierte Empfangsbestätigungen, das Weiterleiten unbearbeiteter Nachrichten an zuständige Stellen und Vertretungen bei Abwesenheit. Er behandelt auch klare Erwartungen an Antwortzeiten. Das sind Sicherheitsempfehlungen für elektronische Kommunikation, kein Wirksamkeitsnachweis für KI und keine Darstellung deutscher Rechtsvorschriften. [4]
Ein Anliegen durch die Übergabe begleiten
Bei der erfundenen Frage zum Brief würde ich Eingang, Übernahme durch das zuständige Team, vereinbarte Handlung und Abschluss unterscheiden. Jeder Zustand sollte eine klare Bedeutung haben. Die automatische Empfangsbestätigung bestätigt den Eingang. Übernahme bedeutet, dass der vorgesehene Dienst den Auftrag angenommen hat. Beim Abschluss wird festgehalten, wie das Anliegen bearbeitet wurde. Ein ungelöstes Anliegen behält seinen offenen Zustand, seine zuständige Stelle und den nächsten Handlungsschritt.
Bei der Übergabe sollte neben einer KI-Zusammenfassung die ursprüngliche Frage erhalten bleiben. Erkennbar sein sollten auch die bereits gegebene Antwort und die verbleibende Unklarheit. Sonst bearbeiten Mitarbeitende womöglich die Zusammenfassung und übersehen den Anlass der ursprünglichen Frage. Die übernehmende Fachperson muss die Auslegung korrigieren und den Vorgang dem passenden Bearbeitungsweg zuordnen können.
Für eine Weiterleitung braucht es zudem einen Ersatzweg, falls niemand den Auftrag annimmt. Die Leitung sollte festlegen, welcher Dienst diese Lücke bearbeitet, einschließlich Abwesenheiten und Schichtwechseln. Zusätzliche Personen in den Verteiler aufzunehmen, lässt die Frage der Übernahme weiterhin offen. Das System sollte einen nicht angenommenen Auftrag für jemanden sichtbar machen, der befugt ist, die Lücke zu schließen.
Ich würde diese Zustände vor einer Einladung an Patient:innen mit erfundenen Gesprächen prüfen: eine Nachricht mit zwei Anliegen, eine abwesende Ansprechperson, eine unklare Antwort und eine Person, die das Portal nicht nutzen kann. Der Versuch prüft, ob die Einrichtung weiß, wie es weitergeht. Eine bestandene Übung belegt weder klinische Sicherheit noch einen erfolgreichen Betrieb in größerem Umfang.
Den Weg zur Klärung messen
Für eine begrenzte Auswertung würde ich Anliegen mit weiterem Bearbeitungsbedarf zählen und erfassen, wie viele davon eine zuständige Stelle erhalten haben. Ich würde die Zeit bis zur Empfangsbestätigung, bis zur fachlichen Beurteilung und bis zu einem vereinbarten nächsten Schritt getrennt erfassen. Geeignete Zeitgrenzen müssen die Verantwortlichen vor Ort fachlich vereinbaren. Eine schnelle automatische Bestätigung sollte als eigener Vorgang erkennbar bleiben.
Auch der Abschluss braucht eine Prüfung aus Sicht der Patient:innen. In einer Stichprobe würde ich fragen, ob die Person weiß, was als Nächstes geschieht und an wen sie sich wenden kann, falls es ausbleibt. Eine Lesebestätigung allein beantwortet das nicht. Unbeantwortete Nachfragen, wiederholte Kontaktversuche und nach vermeintlichem Abschluss erneut offene Anliegen gehören weiterhin in die Auswertung.
Zusätzliche Fragen können zuvor ungedeckten Bedarf sichtbar machen. Sie können auch durch unverständliche Erklärungen oder doppelte Kommunikationswege entstehen. Aus der Zahl der Nachrichten allein folgt keine dieser Deutungen. Die Gründe sollten gemeinsam mit dem Personalaufwand über den gesamten Dienst hinweg betrachtet werden. Dabei gehören auch Menschen einbezogen, die den digitalen Zugang abgelehnt oder einen anderen Kanal benötigt haben. Sonst beschreibt die Auswertung nur diejenigen, die den digitalen Austausch bewältigen konnten.
Als Arzt und Gründer von aiomics beschäftigt mich daran, wie aus einer technischen Fähigkeit eine organisatorische Zusage wird, sobald Menschen sich darauf verlassen. Einen Dienst zwischen Terminen würde ich an einem klaren Aufgabenbereich, einem personell abgesicherten Antwortweg und daran beurteilen, ob Patient:innen einen angemessenen nächsten Schritt erreichen. Die nächste Investitionsentscheidung sollte diesen Beobachtungen folgen, einschließlich der Anliegen, die der Dienst weiterhin nicht klären kann.
Quellen und weiterführende Lektüre
- Tai-Seale: KI-AntwortentwürfeJAMA Network Open
Lesezeit und Antwortzeit; begrenzte Untersuchung.
- PRO-TECT: endgültige ErgebnisseNature Medicine
Kombinierte Versorgung; begrenzte Übertragbarkeit.
- SAFER: klinische KommunikationASTP/ONC
Sicherheitsempfehlungen zur Nachrichtenbearbeitung.
Ausgangspunkt dieser Einordnung
Stanford: KI zwischen Terminen
Perspektive und Interessen
Dieser Beitrag wurde mit KI-Unterstützung erarbeitet. Die Ambulanz und die Gesprächsbeispiele sind erfunden. Das vorgeschlagene Vorgehen ist eine eigene Ableitung und wurde in den zitierten Studien nicht geprüft. Es wurden keine örtlichen Versorgungsdaten erhoben.
Ich bin Gründer und Geschäftsführer von aiomics und habe ein wirtschaftliches Interesse an einer verantwortlichen Einführung von KI in der Medizin. Dieser Beitrag enthält keine Behandlungsempfehlungen.



