← Wissen

Leitfaden

KI in Besprechungen: Welche Information fehlt schon vor der Zusammenfassung?

Eine KI-Zusammenfassung braucht geeignete Grundlagen. So sammeln Arbeitsgruppen verteilte Informationen und halten offene Fragen vor einer Entscheidung fest.

Von Dr. Sven JungmannVeröffentlicht: · Geprüft:
Drei getrennte Karten ergänzen unterschiedliche Teile eines gemeinsamen Bildes.

Auf einen Blick

  • Eine Zusammenfassung kann entscheidende Informationen auslassen, die im Gespräch nie vorkamen.
  • Sammeln Sie Beobachtungen, Quellen und offene Fragen vorab getrennt.
  • Prüfen Sie, ob die Niederschrift Entscheidungen, Unsicherheiten und nächste Schritte richtig unterscheidet.

Eine automatische Zusammenfassung kann festhalten, was in einer Besprechung gesagt wurde. Informationen, die niemand eingebracht hat, sind darin womöglich überhaupt nicht erkennbar. Für eine Entscheidung ist deshalb bereits die Vorbereitung des Gesprächs wichtig: Welche Personen kennen welche Teile des Falls, und wie gelangen diese Informationen in die gemeinsame Betrachtung?

Die Frage ist älter als heutige KI-Anwendungen. Durch leicht verfügbare Zusammenfassungen erhält sie jedoch eine neue praktische Bedeutung. Eine klar gegliederte Niederschrift kann den Eindruck eines vollständigen Bildes vermitteln. Ob dieses Bild vollständig genug ist, muss an anderen Anhaltspunkten geprüft werden.

Was die Forschung über verteilte Informationen zeigt

Stasser und Titus untersuchten in einer 1985 veröffentlichten Arbeit anhand einer simulierten Kandidatenauswahl, wie Gruppen verteilte Informationen zusammentragen. Die Diskussion konnte von Informationen dominiert werden, die mehrere Personen bereits kannten oder die bestehende Präferenzen stützten. Das gemeinsame Gespräch nutzte dadurch den möglichen Vorteil unterschiedlich verteilter Kenntnisse nur begrenzt.

Diese Untersuchung befasst sich mit menschlichen Gruppengesprächen. Sie prüft keine KI-Zusammenfassung und belegt keine bestimmte Wirkung heutiger Besprechungsprogramme. Sie begründet die Aufmerksamkeit für eine vorgelagerte Frage: Welche entscheidungsrelevante Information erreicht die gemeinsame Diskussion? Die Originalveröffentlichung beschreibt das Experiment.

Der nachfolgende Ablauf ist ein eigener Organisationsvorschlag. Er verbindet das Sammeln unabhängiger Angaben mit einer überprüfbaren Zusammenfassung. Seine Wirksamkeit muss im jeweiligen Arbeitszusammenhang beurteilt werden.

Vorab Beobachtungen und offene Fragen sammeln

Bitten Sie die Beteiligten vor einer wichtigen Besprechung um drei kurze Angaben: Welche konkrete Information kennen sie? Woher stammt diese Information? Welche offene Frage könnte die Entscheidung verändern? Eine begründete Einschätzung kann ergänzt werden, sollte aber als solche erkennbar bleiben.

Ein fiktiver Fall: Eine Organisation erwägt einen zusätzlichen Betreuungstermin für Kund:innen. Der Vertrieb kennt entsprechende Wünsche. Die Einsatzplanung weiß von einer knappen Vertretung. Die Abrechnung hat Hinweise auf unklare Zuständigkeiten für die Vergütung. Jede Perspektive trägt einen anderen Teil zur Entscheidung bei.

Werden zunächst nur die Wünsche zusammengefasst, kann das Gespräch früh auf die Gestaltung des neuen Termins zulaufen. Werden die anderen Angaben ebenfalls vorgelegt, lässt sich bereits die Voraussetzung für ein tragfähiges Angebot besprechen. Die Reihenfolge beeinflusst, welche Fragen praktisch bearbeitet werden können.

Eine Übersicht mit offenen Stellen erstellen

Eine KI kann freigegebene Angaben ordnen und Doppelungen markieren. Geben Sie ihr dabei einen klaren Auftrag: Jede entscheidungsrelevante Aussage soll auf eine vorgelegte Angabe zurückführbar sein. Widersprüche und fehlende Informationen sollen sichtbar bleiben. Wo keine Grundlage vorliegt, darf keine scheinbar verbindliche Ergänzung entstehen.

Lassen Sie die ursprünglichen Beiträge neben der Übersicht verfügbar. Die Beteiligten prüfen, ob ihre Angaben richtig wiedergegeben sind und ob wichtige Einschränkungen erhalten blieben. Das ist besonders relevant, wenn aus einer vorsichtigen Einschätzung eine feste Aussage geworden ist oder mehrere unterschiedliche Einwände zusammengezogen wurden.

Im fiktiven Fall wäre beispielsweise zu unterscheiden, ob die Vertretung grundsätzlich ungeklärt ist oder nur an einem bestimmten Wochentag fehlt. Diese Differenz kann die Entscheidung verändern. Eine sprachlich verkürzte Übersicht muss sie deshalb erhalten.

Das Gespräch bei der wichtigsten Lücke beginnen

Wählen Sie als ersten Gesprächspunkt die offene Frage, von der die Entscheidung am stärksten abhängt. Das kann eine fehlende Kapazitätsangabe, eine ungeklärte Zuständigkeit oder ein Widerspruch zwischen Unterlagen sein. Legen Sie fest, welche Person sie klären kann und ob dafür bereits genügend Informationen vorliegen.

Erst danach werden Möglichkeiten verglichen. Für jede verbleibende Möglichkeit sollten Nutzen, Voraussetzungen und offene Unsicherheiten erkennbar sein. Manchmal lässt sich sofort entscheiden. Manchmal besteht das sinnvolle Ergebnis der Besprechung in einem klar begrenzten Klärungsauftrag.

Eine vorab festgelegte Meinung darf sich im Gespräch ändern. Hilfreich ist, den Grund dafür festzuhalten. So kann später nachvollzogen werden, welche Information die gemeinsame Einschätzung verändert hat. Das erleichtert auch die Weitergabe an Personen, die nicht teilnehmen konnten.

Die Niederschrift am tatsächlichen Ergebnis prüfen

Die abschließende Zusammenfassung sollte unterscheiden, was beschlossen wurde, was noch offen ist und wer den nächsten Schritt übernimmt. Eine erwogene Möglichkeit darf dabei nicht versehentlich als Zusage erscheinen. Eine fehlende Frist muss als offen erkennbar bleiben, bis die zuständige Person sie bestätigt.

Ob die neue Arbeitsweise hilfreich ist, lässt sich anhand gewöhnlicher Besprechungen untersuchen. Müssen Entscheidungen wegen übersehener Informationen wieder aufgerufen werden? Sind die nächsten Schritte verständlich? Kommen Rückfragen von Abwesenden an der richtigen Stelle an? Für diese Auswertung braucht es keine Bewertung einzelner Personen nach Redezeit.

Im Zusammenhang von KI und Zukunft der Arbeit zeigt dieses Beispiel, dass ein neues Hilfsmittel auch die Zusammenarbeit berührt. Ein Vortrag über den Wert von Arbeit kann daran die Frage öffnen, welche menschlichen Beiträge durch bessere Vorbereitung besonders wichtig werden.

Quellen und weiterführende Lektüre

  1. Wie Gruppen unterschiedlich verteilte Informationen zusammenführenJournal of Personality and Social Psychology

    1985 veröffentlichtes Experiment zur Diskussion verteilter Informationen bei einer simulierten Kandidatenauswahl. Keine Untersuchung von KI oder unmittelbare Validierung des vorgeschlagenen Besprechungsablaufs.

Perspektive und Interessen

Ich bin Gründer und Geschäftsführer von aiomics und biete Vorträge über künstliche Intelligenz an. Damit habe ich ein wirtschaftliches Interesse an diesem Themengebiet.

Dieser Beitrag wurde mit KI-Unterstützung erarbeitet und durch unabhängige KI-Prüfungen auf Quellen und Aussagen geprüft. Diese Prüfung ist keine persönliche Freigabe durch den Autor.

Die beschriebenen Arbeitsvorschläge sind eigene Überlegungen. Als fiktiv bezeichnete Fälle sind keine Kundenberichte und keine gemessenen Ergebnisse.

Den Zusammenhang weiterverfolgen

Arbeit und ihr wirtschaftlicher Wert

Weiterlesen

Worum soll es bei Ihrer Veranstaltung gehen?

Nennen Sie Publikum, Anlass und Termin. Im Vorgespräch klären wir, welche Veränderungen Ihre Organisation beschäftigen und was der Vortrag dazu beitragen soll.

Vortrag anfragen