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Leitfaden

Eine KI-Fortbildung, in der die nächste Entscheidung geübt wird

Ein anpassbarer Ablauf für die Weiterbildung in Klinik und Unternehmen: selbst urteilen, Unterstützung nutzen, neue Fälle bearbeiten und später erneut prüfen.

Von Dr. Sven JungmannRückblick mit Bezugsdatum: · Veröffentlicht: · Geprüft:
Ein junger Baum steht selbstständig neben einem gelösten Stützpfahl.

Auf einen Blick

  • Eine Fortbildung sollte eine beobachtbare Entscheidung als Lernziel haben.
  • Trennen Sie den ersten eigenen Versuch, die Hilfephase und die spätere Anwendung.
  • Beurteilen Sie Begründung, Grenzen und Hilfesuche gemeinsam.

Am Ende einer KI-Fortbildung sollten die Teilnehmenden eine für ihre Arbeit relevante Entscheidung besser bearbeiten können. Damit dieses Ziel beobachtbar wird, muss die Veranstaltung eine entsprechende Aufgabe enthalten. Eine Sammlung eindrucksvoller Vorführungen beantwortet noch nicht, wie jemand mit einer unklaren Anforderung, einer fehlenden Information oder einer ungeeigneten Antwort umgehen wird.

Der folgende Ablauf lässt sich für eine interne Lerneinheit von ungefähr einer Stunde anpassen. Die Zeit ist ein Vorschlag, kein wissenschaftlich ermitteltes Optimum. Das Beispiel richtet sich an Führungskräfte und wissenschaftliche Beschäftigte; ein ärztliches Weiterbildungsteam kann die Struktur für fachlich freigegebene eigene Lernziele verändern.

Eine einzige Entscheidung auswählen

Für unser erfundenes Beispiel soll eine Gruppe entscheiden, ob eine interne Projektvorlage entscheidungsreif ist. Die Teilnehmenden sollen eine fehlende Annahme erkennen, deren Bedeutung erklären und eine gezielte Rückfrage stellen. Das ist ein engeres und besser beobachtbares Ziel als allgemein sicherer im Umgang mit KI zu werden.

Bereiten Sie zwei kurze künstliche Vorlagen vor. In beiden fehlt eine Information, die für die Entscheidung wichtig ist. Die zweite Vorlage verändert den Kontext ausreichend, damit eine bloß übernommene Formulierung aus dem ersten Fall nicht genügt. Beispielsweise kann die erste Vorlage eine unbegründete Annahme über verfügbare Arbeitszeit enthalten und die zweite eine unklare Zuständigkeit für einen notwendigen Schritt.

Die verantwortliche Lehrperson legt vorab fest, welche Überlegungen nachvollziehbar wären und welche Antworten mehrere vertretbare Wege offenlassen. Eine Vorlage muss nicht künstlich eindeutig gemacht werden. Gerade eine begründete Bitte um zusätzliche Informationen kann das gewünschte Ergebnis sein.

Warum der eigene Versuch einen Platz erhält

Karpicke und Blunt untersuchten 2011 das Lernen naturwissenschaftlicher Texte bei Studierenden. In ihrem ersten Experiment mit 80 Personen schnitt aktives Abrufen bei einer Verständnisprüfung nach einer Woche besser ab als die verglichenen Lernbedingungen. Die Arbeit untersucht einen Lernmechanismus unter diesen Bedingungen, keine KI-Fortbildung in Unternehmen. [1]

Für den folgenden Ablauf leite ich daraus eine Gestaltungsentscheidung ab: Die Teilnehmenden sollten die relevante Überlegung selbst hervorbringen und später erneut anwenden. Das Erleben einer guten Erklärung reicht als Nachweis dafür nicht aus. Ob die konkrete Übung wirksam ist, muss anhand ihrer eigenen Ergebnisse beurteilt werden.

Phase eins: selbst urteilen

Geben Sie der Gruppe die erste Vorlage und einige Minuten ungestörte Bearbeitungszeit. Jede Person hält drei kurze Punkte fest: ihre vorläufige Entscheidung, den wichtigsten Grund und eine noch offene Frage. Die Bearbeitung erfolgt zunächst ohne KI. Ziel ist, den Ausgangspunkt des Denkens sichtbar zu machen.

Erklären Sie den Zweck dieses Schritts. Die erste Antwort dient der späteren Besprechung und sollte keine verdeckte individuelle Leistungsbewertung werden. Bei Gruppen mit großen Erfahrungsunterschieden können Sie verschiedene Schwierigkeitsstufen vorbereiten. Die gemeinsame Lernfrage bleibt gleich, während Umfang und Fachsprache zur jeweiligen Rolle passen.

Lassen Sie einzelne Personen freiwillig ihre Überlegung erläutern. Die Lehrperson sammelt verschiedene Wege, ohne sofort jeden offenen Punkt aufzulösen. So bleibt etwas übrig, woran eine anschließende Hilfe tatsächlich ansetzen kann.

Phase zwei: eine begrenzte Hilfe verwenden

Jetzt erhalten die Teilnehmenden Zugang zu einer für die Übung erlaubten KI-Umgebung oder zu vorbereiteten, als solche gekennzeichneten KI-Antworten. Eine Aufgabe könnte lauten: Formuliere eine Rückfrage, mit der ich eine Annahme meiner bisherigen Entscheidung prüfen kann. Die Teilnehmenden vergleichen den Vorschlag mit ihrer eigenen Überlegung und erklären, ob er die Entscheidung weiterbringt.

Die Begrenzung ist absichtlich. Wenn das Lernziel lautet, eine fehlende Annahme zu erkennen, muss die Übung Gelegenheit geben, genau diese Fähigkeit zu bearbeiten. Eine fertige umfangreiche Lösung kann später besprochen werden, sollte den eigenen Versuch aber nicht rückwirkend ersetzen.

Kestin und Kolleg:innen berichteten 2025 über eine sorgfältig gestaltete KI-Nachhilfe in einem Harvard-Physikkurs. Die Untersuchung nutzte vorbereitete fachliche Inhalte und eine strukturierte Interaktion. Sie unterstützt die Frage nach der didaktischen Gestaltung von Hilfe, prüft jedoch weder den hier beschriebenen Ablauf noch seine Wirkung bei Führungskräften. [2]

Die Teilnehmenden markieren nun, was sie an ihrer Entscheidung verändert haben und weshalb. Ein übernommener Vorschlag darf bleiben, wenn seine Bedeutung verstanden und begründet werden kann. Ebenso ist eine begründete Ablehnung ein brauchbares Lernergebnis.

Phase drei: eine neue Aufgabe bearbeiten

Geben Sie anschließend die zweite Vorlage aus. Sie wird zunächst wieder ohne KI bearbeitet. Die Teilnehmenden müssen die gelernte Unterscheidung auf einen veränderten Fall anwenden und ihre Entscheidung erläutern. Wer weitere Informationen benötigt, soll diese konkret benennen können.

Die Lehrperson betrachtet drei Dinge: Wird die relevante Lücke erkannt? Ist ihre Bedeutung für die Entscheidung nachvollziehbar erklärt? Passt die vorgeschlagene Rückfrage zur Lücke? Dieses kleine Raster lässt sich vorab mit einer zweiten fachkundigen Person an Beispielantworten durchgehen. Uneinigkeit zwischen Lehrenden sollte vor der gemeinsamen Auswertung geklärt oder als tatsächlicher Ermessensspielraum benannt werden.

Eine gute zweite Antwort kann ein Hinweis auf Lernfortschritt sein. Sie belegt noch keine dauerhaft verfügbare Fähigkeit. Dafür braucht es eine spätere Beobachtung und, je nach Aufgabe, mehrere unterschiedliche Fälle.

Die Besprechung auf Entscheidungen ausrichten

Fragen Sie nach der entscheidenden Veränderung im Denken. Welche Information fehlte ursprünglich? Woran wurde das erkennbar? Welcher Hinweis half, und welcher lenkte ab? Die Diskussion sollte die Teilnehmenden zu einer nachvollziehbaren Begründung führen.

Für die Organisation sind auch die Schwierigkeiten aufschlussreich. Vielleicht war die Vorlage missverständlich. Vielleicht fehlte Vorwissen, das die Lehrperson vorausgesetzt hatte. Vielleicht passte die KI-Hilfe nicht zum Lernziel. Diese Möglichkeiten sollten geprüft werden, bevor aus einem schwachen Ergebnis eine Aussage über die einzelne Person entsteht.

Ausschließlich künstliche oder ausdrücklich freigegebene Materialien gehören in die Übung. Vertrauliche Fälle aus dem Arbeitsalltag können nicht spontan als Ersatz eingefügt werden. Die Lehrperson sollte diese Grenze vor Beginn erklären und geeignete Alternativen bereithalten.

Den nächsten Kontakt gleich vereinbaren

Planen Sie bereits bei der Vorbereitung eine kurze Folgeaufgabe für einen späteren Zeitpunkt. Sie kann zeigen, ob die zentrale Unterscheidung noch verfügbar ist und wo eine weitere Erklärung benötigt wird. Der Abstand richtet sich nach Lernziel und Arbeitsablauf.

Machen Sie die Teilnahmebedingungen und die Verwendung der Ergebnisse deutlich. Eine spätere Aufgabe ohne erkennbaren Zusammenhang kann wie eine unverbundene Prüfung wirken. Der ausdrückliche Bezug zur früheren Entscheidung hilft den Teilnehmenden, Fortschritte und Unsicherheiten zu erkennen und bei Bedarf Unterstützung anzufordern.

Nach dem ersten Durchlauf entscheiden die Verantwortlichen, welche Teile angepasst werden sollen. Die Grundlage sind die beobachteten Entscheidungen, die Qualität ihrer Begründungen und die offenen Lernbedarfe. So wird eine KI-Fortbildung zu einer konkreten Gelegenheit, berufliches Urteilen weiterzuentwickeln und die eigene Ausbildung anhand ihrer Wirkung zu verbessern.

Quellen und weiterführende Lektüre

  1. Karpicke und Blunt: Wissen abrufen und später anwendenScience / Purdue University

    Die Experimente von 2011 untersuchen Studierende, naturwissenschaftliche Texte und spätere Verständnisprüfungen. Sie begründen einen Lernmechanismus, ohne die hier vorgeschlagene betriebliche Übung zu prüfen.

  2. Kestin und Kolleg:innen: angeleitete KI-Nachhilfe im PhysikunterrichtScientific Reports

    Die 2025 veröffentlichte Untersuchung vergleicht zwei Unterrichtsformen bei 194 ausgewerteten Studierenden in einem Harvard-Physikkurs im Herbst 2023. Die Befunde betreffen ausgewählte Lerneinheiten und unmittelbare Prüfleistungen.

Perspektive und Interessen

Dieser Beitrag wurde mit KI-Unterstützung erarbeitet. Die beschriebenen Organisationsbeispiele sind frei erfunden. Die praktischen Vorschläge sind eigene Ableitungen aus den eingegrenzten Quellen.

Ich bin Gründer und Geschäftsführer von aiomics und habe ein wirtschaftliches Interesse an der verantwortlichen Einführung von KI in der Medizin.

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