Auf einen Blick
- Beobachten Sie Aufgabenmenge, neue Tätigkeiten und zusätzliche Abstimmung getrennt.
- Eine qualitative Untersuchung in einem Unternehmen belegt keine allgemeine Wirkung von KI.
- Vereinbaren Sie, wie gewonnene Zeit verwendet und zusätzliche Belastung beurteilt werden soll.
Eine Auswertung dauert kürzer, eine Nachricht ist schneller geschrieben, eine erste Fassung steht früher bereit. Trotzdem kann sich ein Arbeitstag dichter anfühlen. Die frei gewordenen Minuten werden womöglich mit weiteren Aufgaben gefüllt. Oder zusätzliche Entwürfe erzeugen neue Rückfragen bei Kolleg:innen. Wer KI am Arbeitsplatz beurteilt, braucht deshalb einen Blick auf die Menge und den Rhythmus der Arbeit.
Die Frage betrifft eine Entscheidung der Organisation: Was darf wachsen, wenn einzelne Tätigkeiten leichter werden? Ohne eine ausdrückliche Antwort kann aus einer möglichen Entlastung schrittweise eine neue Erwartung werden.
Eine Beobachtung aus einem Unternehmen
Xingqi Maggie Ye und Aruna Ranganathan untersuchten über acht Monate die Arbeit in einem US-Technologieunternehmen mit ungefähr 200 Beschäftigten. Die Universität berichtet von schnellerem Arbeitstempo, einer Ausweitung von Aufgaben und längeren Arbeitszeiten im Zusammenhang mit KI-Nutzung. Die Zahl 200 beschreibt die Unternehmensgröße. Sie ist keine Angabe zur Zahl geführter Interviews.
Es handelt sich um eine qualitative Untersuchung in einem Unternehmen, über die die Universität im Februar 2026 als laufende Forschung berichtete. Sie zeigt mögliche Mechanismen. Sie belegt weder einen allgemeinen Effekt für sämtliche Arbeitsplätze noch, dass KI allein die Veränderungen verursacht hat. Die Darstellung der Universität erläutert den Untersuchungsrahmen.
Ein randomisiertes Feldexperiment von Dillon und Kolleg:innen untersuchte Veränderungen bestimmter Arbeitsmuster und fand unter anderem weniger Zeit für elektronische Post. Für Besprechungszeit zeigte sich keine entsprechende deutliche Veränderung. Die Studien untersuchen verschiedene Umgebungen mit verschiedenen Verfahren. Gemeinsam geben sie Anlass, tatsächliche Arbeitsabläufe zu beobachten, statt die Wirkung aus der verfügbaren Anwendung abzuleiten. Die überarbeitete Forschungsarbeit ist öffentlich zugänglich.
Drei Arten zusätzlicher Arbeit unterscheiden
Für die eigene Organisation schlage ich drei Fragen vor. Erstens: Werden mehr bisherige Aufgaben erledigt? Zweitens: Übernehmen Beschäftigte neue Arten von Aufgaben? Drittens: Steigt die Arbeit, die aus Abstimmung, Auswahl und Prüfung der zusätzlichen Ergebnisse entsteht? Diese Einteilung ist ein eigenes Beobachtungsraster.
Die Unterschiede sind praktisch relevant. Wer mehr vergleichbare Vorgänge bearbeitet, braucht möglicherweise eine angepasste Mengenplanung. Wer erstmals eine anspruchsvolle Auswertung selbst erstellt, braucht vielleicht fachliche Unterstützung. Wenn andere Personen immer mehr Fassungen beurteilen sollen, muss deren verfügbare Zeit in die Planung eingehen.
Ein fiktiver Fall: Ein kleiner Vertrieb erstellt mit KI für jede Anfrage mehrere Angebotsvarianten. Die Vorbereitung wird schneller. Zugleich muss die technische Leitung mehr Sonderwünsche bewerten. Die sichtbare Beschleunigung im Vertrieb kann mit zusätzlichen Wartezeiten bis zur verbindlichen Zusage zusammenfallen. Ob das insgesamt hilfreich ist, hängt auch davon ab, welche Varianten für Kund:innen tatsächlich einen Unterschied machen.
Die Verwendung gewonnener Zeit vorab vereinbaren
Nehmen Sie eine wiederkehrende Tätigkeit und beschreiben Sie, was bei einer tatsächlichen Zeitersparnis geschehen soll. Möglich sind kürzere Arbeitszeiten innerhalb bestehender Regelungen, mehr Zeit für schwierige Fälle, Weiterbildung, zusätzliche Leistung oder ein geringerer Rückstand. Welche Verwendung sinnvoll ist, hängt von den Zielen und Bedingungen des Betriebs ab.
Eine brauchbare Vereinbarung ist konkret genug, um später überprüft zu werden. Im fiktiven Vertrieb könnte sie lauten: Eine gewöhnliche Anfrage erhält zunächst eine passende Variante. Zusätzliche Varianten entstehen, wenn ein benannter Kundenbedarf sie rechtfertigt. Gewonnene Vorbereitungszeit soll offene Rückfragen früher klären. Die technische Prüfung erhält einen vereinbarten Umfang.
Damit lässt sich später untersuchen, ob der gewählte Weg funktioniert. Vielleicht steigt die Zahl erfolgreicher Angebote. Vielleicht sinkt nur der Aufwand für Vorgänge, die ohnehin einfach waren. Vielleicht braucht eine besondere Kundengruppe weiterhin intensive persönliche Abstimmung. Jede dieser Beobachtungen führt zu einer anderen Anpassung.
Belastung ohne zusätzliche Überwachung besprechen
Für eine erste gemeinsame Auswertung reichen häufig zusammengefasste Informationen über den Arbeitsablauf und Gespräche über Veränderungen. Betrachten Sie offene Vorgänge, Unterbrechungen, Nacharbeit und Arbeit außerhalb der vorgesehenen Zeiten. Klären Sie vorab Zweck, Zugriff und Umgang mit den Angaben; gegebenenfalls werden die zuständigen betrieblichen Stellen einbezogen.
Aus einer höheren Zahl erstellter Dokumente allein lässt sich keine höhere Leistung einer Person ableiten. Ebenso kann ein Anstieg gemeldeter Schwierigkeiten bedeuten, dass sie erstmals offen besprochen werden. Die Interpretation braucht den Zusammenhang. Individuelle Ranglisten würden diese Fragen kaum beantworten.
Beziehen Sie auch Beschäftigte ein, die die Anwendung selten nutzen oder sie wieder aufgegeben haben. Deren Erfahrungen können fehlende Voraussetzungen oder zusätzliche Kosten sichtbar machen. Eine freiwillige Rückmeldung der besonders zufriedenen Nutzer:innen liefert nur einen Ausschnitt.
Die Führungsentscheidung hinter der Beschleunigung
Eine Organisation kann produktiver werden und trotzdem einen Teil der gewonnenen Zeit für Erholung, Lernen oder verlässliche Erreichbarkeit einsetzen. Sie muss dafür benennen, welchen Wert diese Verwendung hat und wer darüber entscheidet. Sonst wird die Zahl der vorbereiteten Ergebnisse leicht zum stillen Maßstab.
Der Beitrag über KI und Produktivität ergänzt diese Perspektive um den Gesamtaufwand bis zum verwendbaren Ergebnis. Für eine Veranstaltung lässt sich die Frage im Vortrag über KI und den Wert von Arbeit auf die Entscheidungen Ihres Publikums beziehen.
Quellen und weiterführende Lektüre
- Eine qualitative Untersuchung zu KI und ArbeitsverdichtungUniversity of California, Berkeley, Haas School of Business
Universitätsbericht über eine laufende achtmonatige Untersuchung in einem US-Unternehmen mit ungefähr 200 Beschäftigten. Qualitative Hinweise auf Arbeitstempo, Aufgabenausweitung und Arbeitszeit; kein allgemeiner Kausalnachweis.
- Veränderungen von Arbeitsmustern durch generative KIarXiv
Überarbeitetes randomisiertes Feldexperiment: weniger Zeit für elektronische Post, keine signifikante durchschnittliche Änderung der Besprechungszeit. Beobachtete digitale Arbeitsmuster erlauben keine direkte Messung der Arbeitsqualität oder Gesamtproduktivität.
Perspektive und Interessen
Ich bin Gründer und Geschäftsführer von aiomics und biete Vorträge über künstliche Intelligenz an. Damit habe ich ein wirtschaftliches Interesse an diesem Themengebiet.
Dieser Beitrag wurde mit KI-Unterstützung erarbeitet und durch unabhängige KI-Prüfungen auf Quellen und Aussagen geprüft. Diese Prüfung ist keine persönliche Freigabe durch den Autor.
Die beschriebenen Arbeitsvorschläge sind eigene Überlegungen. Als fiktiv bezeichnete Fälle sind keine Kundenberichte und keine gemessenen Ergebnisse.



